FAB CITY Leipzig - Initiative

Lindenthaler Straße 65
04157 Leipzig
Deutschland

Stadtweit

E-Mail
Ansprechpartner:in
Matthias Petzold
Ansprechpartner:in Funktion
Netzwerkteilnehmer

Wir sind eine offene Initiative aus offenen Räumen, die sich mit dem Thema der Netzwerk- und Projektvernetzung, um die Themen der Kreislaufwirtschaft, Kreativwirtschaft, Recyclingwirtschaft, Energiewirtschaft, nachhaltiges Bauwesen, Innovationsentwicklung, Wissenschaft und Bildung beschäftigen.

 

letzte Veranstaltung
Protokoll – Fab City Forum Leipzig 2026
Datum: 19. September 2026

Ort: Propsteikirche Leipzig
 

Perspektiven für eine Fab City Leipzig

 

1. Fab City als Infrastrukturprogramm
Im Forum wurde der Fab-City-Ansatz nicht nur als Innovations- oder Technologiekonzept
verstanden, sondern insbesondere als Infrastrukturprogramm für eine resiliente Stadt. Urbane
Strukturen sollen widerstandsfähiger, anpassungsfähiger und stärker in der Lage werden, auf Krisen
und Veränderungen eigenständig zu reagieren.
Der Fab-City-Ansatz kann dazu beitragen, Innovations- und Forschungsprozesse zu
beschleunigen und zu demokratisieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Produktion und
Wertschöpfung innerhalb der Stadt und Region neu organisiert werden können.
Insbesondere Produktionsinfrastrukturen und Wertschöpfungsketten sollen agiler, dezentraler,
regionaler und perspektivisch auch autarker werden.

 

2. Vorhandene Strukturen vernetzen
Ein wichtiger Gedanke des Forums war, dass Fab City nicht zwingend den Aufbau völlig neuer
Strukturen bedeutet. Vielmehr gibt es in Leipzig bereits zahlreiche Orte und Akteure, die heute
schon an Themen wie Kreislaufwirtschaft, ökologischem Bauen und Bioökonomie arbeiten.

Dazu gehören unter anderem:
• Makerspaces und offene Werkstätten
• Hochschul- und Forschungsprojekte
• Materiallager und Materialinitiativen
• Werkstätten und Produktionsorte
• NGOs und zivilgesellschaftliche Initiativen
• Akteure aus der Kreislaufwirtschaft
• Projekte des ökologischen Bauens und der Bioökonomie

 

Der von Leopold Zyka eingebrachte Gedanke eines Open Factory Networks zielt darauf, diese
vorhandenen Orte und Akteure stärker miteinander zu verbinden und als gemeinsames Produktions-
und Innovationsnetzwerk zu verstehen.
Dabei geht es nicht nur um Vernetzung im Allgemeinen, sondern um die Frage, welche konkreten
Interaktionen, Kooperationen und Wertschöpfungsketten zwischen den verschiedenen
Akteuren entstehen können.

 

3. Urbane Produktion und produktive Stadtregion
Mit dem Thema „urbane Produktion im Bestand“ (Jan Schaaf) wurde ein weiterer wichtiger
Aspekt angesprochen. Produktion soll nicht ausschließlich an neue Gewerbestandorte oder an den
Stadtrand verlagert werden, sondern kann auch in bestehenden urbanen Strukturen stattfinden.
Daran knüpft das Konzept der „produktiven Stadtregion“ an, wie es unter anderem im Kontext
der IBA 2027 und von Andreas Hofer diskutiert wird.
Damit verbindet sich die Frage, wie Wohnen, Arbeiten, Produktion, Kreislaufwirtschaft und soziale
Infrastruktur in der Stadtregion stärker zusammengedacht werden können.

 

4. Netzwerk sichtbar und nutzbar machen
Eine wichtige Rolle spielte die von Jörg entwickelte Netzwerkvisualisierung. Sie bildet
Interaktionen zwischen den verschiedenen Akteuren ab und kann dadurch sichtbar machen, wer mit
wem verbunden ist, wo bereits Kooperationen bestehen und wo neue strategische
Vernetzungspotenziale liegen.
Die Visualisierung könnte perspektivisch über eine reine Darstellung des Netzwerks hinausgehen.
Ziel wäre es, die Aktivitäten der verschiedenen Akteure besser miteinander zu synchronisieren und
konkrete Kooperationsmöglichkeiten zu identifizieren.
Als langfristige Perspektive wurde genannt, die Netzwerkanimation mit Karten, Datenbanken
und KI-Agenten zu verknüpfen. So könnte aus der Visualisierung ein digitales Werkzeug für die
Entwicklung und Koordination des Fab-City-Netzwerks entstehen.

 

5. Fab City Leipzig braucht Struktur
Für die weitere Entwicklung von Fab City Leipzig wurden insbesondere drei Dinge als notwendig
benannt:
Sichtbarkeit, eine klare Struktur und Finanzierung.

Dazu gehören unter anderem:
• ein eigener Webauftritt,
• ein festes Team,
• ein klares inhaltliches Konzept,
• eine verlässliche Finanzierung,
• konkrete Projekte und Produkte.

Als mögliches Vorbild wurde das Netzwerk Leipziger Freiheit genannt.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Vision von Fab City zwar überzeugend ist, der konkrete Weg
dorthin aber noch nicht ausreichend geklärt ist. Es braucht daher eine stärkere Übersetzung der
Vision in konkrete Vorhaben, Zuständigkeiten und realökonomische Perspektiven.

 

6. Geschäftsmodelle und rechtliche Rahmenbedingungen
Mehrfach wurde betont, dass es für ein langfristig tragfähiges Fab-City-Netzwerk funktionierende
Geschäftsmodelle und konkrete Mehrwerte braucht.
Dabei geht es ausdrücklich um eine Verbindung von Ehrenamt und professionellen Strukturen.
Beide Bereiche sind notwendig: Das Engagement der Zivilgesellschaft bildet eine wichtige
Grundlage, gleichzeitig müssen aber auch wirtschaftlich tragfähige Modelle entstehen.
Neben den wirtschaftlichen Fragen bestehen noch zahlreiche rechtliche und organisatorische
Fragen, die bislang ungeklärt sind.
Ein zentraler nächster Schritt besteht daher darin, aus der Vision konkrete Modelle zu entwickeln,
die sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich funktionieren können.

 

7. Makerspaces als Teil kritischer städtischer Infrastruktur
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Rolle der Makerspaces.
Der Makerspace könnte im Fab-City-Netzwerk eine Schlüsselrolle übernehmen: als Ort für
Produktion, Wissenstransfer, gemeinsames Experimentieren, Reparatur, Materialnutzung, Bildung
und Vernetzung.
Dabei wurde die Frage aufgeworfen, wie Makerspaces stärker als Teil der städtischen
Infrastruktur verstanden werden können – und nicht lediglich als Hobby- oder Freizeitwerkstätten.
Vor diesem Hintergrund ist der geplante Verlust bzw. die Suche nach einem neuen Standort für den
Makerspace auch stadtentwicklungspolitisch relevant. Ein Wegfall wäre insbesondere für Gohlis
ein großer Verlust.
Gleichzeitig besteht die Chance, den Makerspace künftig stärker als systemrelevante
Infrastruktur für die Stadtgesellschaft zu positionieren und seine Rolle innerhalb des Fab-City-
Netzwerks auszubauen.

 

8. Konkrete nächste Schritte
Im Forum wurden verschiedene nächste Schritte angesprochen.
Geplant ist ein strategisches Treffen mit Jan Schaaf, dem Smart City Lab und der
Stadtreinigung. Dabei sollen mögliche Anknüpfungspunkte und konkrete
Kooperationsmöglichkeiten ausgelotet werden.
Auch der geplante Fab-City-Chatbot von Mehrab wurde als interessantes Instrument diskutiert.
Perspektivisch könnte ein solcher Ansatz nicht nur für Leipzig, sondern auch für andere Städte
nutzbar sein.

Darüber hinaus sollen weitere relevante Akteure in die weitere Entwicklung einbezogen werden,
insbesondere:
• Bauzirkel
• Verband offener Werkstätten
• Materialbuffet
• weitere bestehende Initiativen und Orte aus dem Leipziger Netzwerk

 

9. Kommunikation und Dokumentation
Zum Forum soll ein Bericht erstellt und über den großen Verteiler geteilt werden.
Dabei sollte ausdrücklich ein Bezug zum Fab City Forum Leipzig des vergangenen Jahres
hergestellt werden. Der neue Bericht kann dadurch an die bereits begonnene Diskussion anknüpfen
und zugleich dokumentieren, welche Fragen, Ideen und nächsten Schritte sich seit dem letzten
Forum entwickelt haben.

 

10. Fazit
Das Forum hat gezeigt, dass Leipzig bereits über zahlreiche Orte, Akteure, Kompetenzen und
Infrastrukturen verfügt, die zu einem Fab-City-Netzwerk beitragen können.
Die zentrale Herausforderung besteht weniger darin, neue Strukturen von Grund auf zu schaffen,
sondern darin, die vorhandenen Potenziale sichtbar zu machen, miteinander zu verknüpfen und
in konkrete Kooperationen und Wertschöpfungsmodelle zu übersetzen.
Fab City Leipzig hat damit eine starke Vision: eine Stadtregion, in der Produktion, Wissen,
Materialien und Innovation stärker regional, dezentral und resilient organisiert sind.
Für die nächste Phase braucht es vor allem konkrete Strukturen, Verantwortlichkeiten,
Finanzierung, Geschäftsmodelle und sichtbare erste Projekte. Die Netzwerkvisualisierung, die
Weiterentwicklung der Makerspaces und die Verbindung bestehender Initiativen können dabei
wichtige Ausgangspunkte sein.